Nach unserem erfolgreichen Spiel bei Diogenes mit nur sechs Fischbekern bekam ich einen kleinen Schreck als zum Heimspiel gegen Sternschanze lediglich sechs Spieler aus der Gastmannschaft anreisten. Wurde bei uns spioniert? Ist sechs gegen acht das neue Rezept für Auswärtssiege?
Um es vorwegzunehmen: es wurde denkbar knapp für uns.
Im Vorwege wurde es etwas eng bei der Spielersuche.
Ein Spieler weilte im Urlaub.
Ein Spieler hat sich eine wohlverdiente Auszeit erbeten – falls machbar.
Ein Spieler sagte am Montag ab.
Wir konnten zum Glück unseren Heimspiel-Ersatzmann Peter Schausten aktivieren.
Für Brett acht wurde es richtig eng. Die dritte Mannschaft spielte ebenfalls – räubern nicht möglich.
Relativ kurzfristig fragte ich unsere einzige Option Yamen. Die Zusage erfolgte quasi sofort und zuverlässig erschien unser Rettungs-Ersatzmann pünktlich zum ohnehin etwas verspäteten Anpfiff.
Spielen musste Yamen nicht, sein Gegner fehlte. Auch der Gegner von Chris erschien nicht . Jedenfalls wurde ein junger Spieler unserer Gäste, der sich nicht entscheiden konnte, gegen wen er sich seine DWZ-Punkte holen sollte, vom Mannschaftsführer Brett 7 zugeteilt – also gegen Peter.
So konnten Chris und Yamen im Nebenraum blitzen und um 20:00 Uhr waren die ersten beiden Punkte einkassiert.
An Yamen hier auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank! Der Einsatz hat uns gerettet!
Andreas nutzte die Gunst der Stunde um den Vorspung auf 2,5 : 0,5 zu erhöhen.
Peter, unser „Kindergärtner“ konnte seinem motivierten Gegner zeigen, dass das mit den DWZ-Punkten gar nicht so einfach ist. Mit schlechterer Bauernstruktur, ungleichfarbigen Läufern und einigen Jahren Erfahrungsvorsprung sackte er einen halben Punkt ein. 3:1
Nun wurde nur noch an Brett 1 – 4 gekämpft.
Philip hatte es mit einem sehr starken Gegner zu tun, Bodo mit einem neu in die Sternschanzenmannschaft eingerückten Spieler, dessen Spielstärke unklar war (und blieb), Jannis hatte es mit einem nominell stärkeren Gegner zu tun (1691 gegen 1803).
Jannis geriet in eine schwierige Stellung, woran die Partie (aus unserer Sicht) zugrunde ging, habe ich nicht miterlebt. 3:2
Meine Partie war die nächste, in der es eine Entscheidung gab, ich konnte gewinnen. Einen kurzen Eindruck gibt es weiter unten. 4:2.
In Bodos Partie ging es nach meiner Wahrnehmung sehr langsam voran. Irgendwann hatte er einen Bauern mehr. Schließlich einen zweiten. Mein Optimismus war groß. Aus Zeitgründen (bedingt durch außerschachliche Gründe) und um den Sieg ungefährdet eintüten zu können, endete die Partie mit einem Remis. Damit stand es 4,5 : 2,5.
Philips Partie ging für uns verloren, am Mannschaftssieg konnte dieses Ergebnis nichts mehr ändern.
Da dies ja ein Schachbericht ist und Carina netterweise nach der Partie sagte, die Partie sei interessant gewesen, hier noch ein kurzer Abstecher in meine Partie:
Die Eröffnung verlief relativ schnell etwas ungewöhnlich, beide Spieler spielten nicht optimal.

Wir starten mal hier: Lf5 wäre wohl geeignet gewesen, den Ausgleich zu erreichen. Mein Bestreben, den c-Bauern zu belagern hätte sich bei bestem weißen Spiel als verfrüht herausgestellt.
Zum Glück teilte mein Gegner die Fixierung auf den c-Bauern:

Letzter Zug war Tc1. Zu Vorteil hätte e4 geführt, ein Zug, den Jay in der nachträglichen Analyse noch häufiger aus der Weiß-Zauberkiste hervorholte. Die Königsflügel schlafen noch…

12. … b5 – vom Rechner wird dieser Zug verurteilt. Nach e4 mit Df3-Drohung wird gar schon ein massiver Vorteil für Weiß angezeigt.
Weiß spielte „nur“ e3, einige Züge später wendete sich langsam das Blatt;

Dh5 mit Mattdrohung

Mattdrohung abgewehrt.
Was soll man mit Weiß spielen?
Zum Ausgleich führt laut Elektrohirn Sxg6. Das habe ich für nachteilig für Weiß gehalten. Nach fxg6 De5 wird es allerdings kompliziert, da Läufer und Turm rettungsbedürftig erscheinen. Der Compi hält dann Lf5 für relativ ausgeglichen. Ob ein Mensch so gespielt hätte… keine Ahnung.

Einige Züge später wendet sich das Blatt. Schwarz steht deutlich besser. Es folgte …h5 und der Königsflügel ist dicht, jedenfalls ist für Weiß da nichts mehr zu holen. Schwarz jedoch hat den schönen Läufer gegen einen eingemauerten Kontrahenten.

Weißer König in Gefahr, Damenflügel in Gefahr, Schwarz steht auf Gewinn. Interessanterweise stellte Carina fest, dass das Feld a1 für den „traurigen“ Läufer fast besser wäre als der derzeitige Standort. Dort könnte er zumindest das Feld b2 bewachen.

Noch ein Blick auf die schwarze Dominanz.

Und das Ende. Keine perfekte Partie aber eine mit einem klaren Plan.
Der fehlende Bauer auf a5 im letzten Diagramm ist übrigens kein Diagrammfehler. Er fiel zwischendurch der weißen Dame zum Opfer. 😂
