Landesliga, Runde 6 – Die Erste holt zwei wichtige Punkte

Nach schwarzen Freitagen und goldenen Samstagen durfte die Erste heute einen genauso farbenfrohen Sonntag erleben.

Der SC Diogenes ist mit seinen beiden Mannschaften in der Landesliga an den Tabellenrändern zu finden. Die Erste kämpft um den Wiederaufstieg in die Oberliga, die Zweite muss sich im Abstiegskampf beweisen – unter anderem gegen uns. Diogenes II (1 Punkt) gegen TV Fischbek (3 Punkte) am 6.Spieltag. Dieses Duell würde in der Sportschau wohl ziemlich am Anfang laufen, und nicht zur Primetime. Spannend war es aber allemal.

Der Schnee fing an zu tauen. Die geräumten und gesalzten Straßen waren trocken und gut zu befahren. Dennoch plagten den Captain einige Sorgen. Drei Ausfälle waren zu verzeichnen. Neben David und Nikolas wurde auch noch Philipp aus der Zweiten abgezogen – zu wichtig war dieser Kampf, um hier irgendwas kampflos abzuschenken.

Zumindest war sein Vertrauen in die eigene Vorbereitung groß. Er hatte gesehen, dass sein potenzieller Gegner gerne die Schliemann-Variante in der Spanischen Eröffnung spielt (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 f5). Das ist Schach, wie ich es gerne spiele. Sofort offenes Visier. Nein, nicht nur offenes Visier. Eher wie Motorrad fahren ohne Helm, in kurzer Hose und die Skipiste runter. Challenge accepted!

Der frühe Damenausfall nach d3 war wesentlicher Bestandteil des Plans. Die Dame will nach c4 und die kurze Rochade verhindern, bzw. den Druck auf c6 erhöhen. Parallel dazu soll der Springer von b1 über c3 nach d5, der Läufer nach g5 und der andere Springer nach f5.

Schwarz ließ sich hierdurch verunsichern und bringt seinen weißfeldrigen Läufer auf die Diagonale a8-h1 .

Stellung nach 12.Sc3

Schwarz hat 4 Züge aufgewendet, um den weißen Läufer zu tauschen (a6,b5,Sa5,Sxb3). Man ist nur noch zwei Züge von der kurzen Rochade entfernt, doch 12…Le7 scheitert konkret an 13.Sxb5 mit Bauerngewinn, daher spielt Schwarz 12….c6. Es folgte 13.Sh4. Auf 13….Le7 ist 14.Sf5 unangenehm und zumindest der d6-Bauer wird schlaflose Nächte bekommen. Also kam 13…g6, um Sf5 zu verhindern. Doch 14.f4 bricht die Stellung endgültig auf und der schwarze Monarch findet keinen Unterschlupf mehr. Es folgte 14…exf4 15.e5

Stellung nach 15.e5

Auf 15…dxe5 folgt 16.Dxd8 Txd8 17.Lxf6 mit Gewinn. Schwarz versuchte noch 15… Db6+ 16.Kh1 Sg4, doch Weiß spielt einfach 17.exd6, was einen Durchmarsch des d-Bauern droht.

17…Kd7 18.Txf4 Se5 19.Dh3+ – 1:0

Eine frühe Führung wirkt bestenfalls beruhigend und motivierend auf die eigene Mannschaft. Doch alle anderen Partien zogen sich erstmal in die Nähe der ersten Zeitkontrolle.

So konnte ich die entscheidende Wendung in der Partie von Nikolas miterleben.

Stellung nach 30…Tg8

Laut Computer ist für Nikolas schon einiges schief gelaufen. Weiß hat sich einen Freibauern auf der c-Linie geschaffen und die geopferten Bauern am Königsflügel brachten noch nicht den erhofften Durchbruch. Weiß sollte jetzt am Besten seinen Freibauern laufen lassen, doch an dieser Stelle ließ er sich zu dem verlockendem 31. Txd5 verleiten. Der Bauer ist gefesselt und 31…Dg6/Dg5 führt aufgrund von 32.De5+ Thg7 33.Dh2+ zu Dauerschach.

Doch Nikolas fand mit seiner geringen Restzeit die beste Fortsetzung – 31…Dg7! mit Matt oder Turmverlust.

Es folgte 32.g3 exd5 33.Dxd5 Dxb2 34.Td1 Dc2 35.Td4? (hier war Dh4+ mit Dauerschach möglich) Db1+ 0:1 (36.Td1 De4 erzwingt den Damentausch

Kurz darauf brachte Philipp einen weiteren halben Punkt auf unser Konto.

Schlussstellung nach 35.Tc2

Ehrlich gesagt drohte die Partie nie so richtig auf die eine oder andere Seite zu kippen. Philipp stellte seine Bauern nach und nach auf die schwarzen Felder, um die Beweglichkeit seines Läufers zu erhöhen. Schwarz hingegen blockiert so gut es geht und hält mit seinem Springer die Einbruchsfelder.

Jeglicher Versuch eines Durchbruchs – egal von welcher Seite – würde wahrscheinlich nach hinten losgehen.

Höchste Zeit für Diogenes, um um zurückzuschlagen. Leider erwischte es Marco, der es an Brett 1 wieder mit einem Titelträger zu tun hatte.

Mit Weiß hatte Marco einen vielversprechenden Start. Auf Kosten eines Bauern lag die Initiative und der Entwicklungsvorsprung auf seiner Seite. Nach 18 Zügen entstand diese interessante Stellung:

Hier war wahrscheinlich 19.Lg4 b4 20.Lxf5 gxf5 21.Lc5 das Beste, doch Weiß muss höllisch aufpassen, dass Schwarz nicht zu aktiv werden kann. Stattdessen kam 19.Lf3 Sa5 20.Se4 und die Partie begann zu unseren Ungunsten zu kippen.

Hier sollte Marco mit der Dame aus der Fesselung gehen, z.B. De2. Mit dem Willen, den Sieg zu erringen, ging er mit 25.Th3 aufs Ganze. Schwarz kümmerte sich nicht um seinen h-Bauern und zog 25…Sc5 26.Txh7 Sxd4 27.cxd4 Txd4 mit Abtausch der Türme und der schwarze c-Bauer entscheidet letztendlich die Partie.

Kurze Zeit später bekam Denis ein Remisangebot, welches er aufgrund der knappen Zeit und des Spielstandes annahm. Denis wirkte leicht enttäuscht, immerhin stand er den Großteil der Partie etwas angenehmer und hatte sich mehr Ertrag erhofft.

Die laut Computer bestbewertete Stelle dürfte um den 14.Zug liegen

Der Computer sieht Weiß bei +1,4 und will 14.Lg5 De8 15.0-0-0 spielen. Sieht riskant aus, aber Computer sind halt Computer. Ich kann Denis verstehen, der hier mit 14.e6 fxe6 den Bauern zurückgab und dabei die schwarze Bauernstruktur schwächte. Der Kampf um e6 schlug jedoch nicht durch, und nach 31 Zügen kam das Remisangebot. Mit 2 Minuten für die restlichen 9 Züge würde vielleicht auch der Computer einwilligen. Immerhin steht der jetzt auch bei 0.00

31…Dd7 mit Remis

Es steht 3:2, drei Partien laufen noch. David, Jay und Carina holen 1,5 Punkte, doch es hätten auch mehr sein können.

Jay und David machten Fischbeker Überstunden

David spielte eine unaufgeregte Partie. Einige Figurenpaare wurden getauscht und man fand sich schnell in einem Endspiel wieder, in dem sich nur noch Läufer, Türme und Bauern um die beiden Könige versammelten. Nachdem das erste Remisangebot abgelehnt wurde, wickelte David in ein Turmendspiel ab, dass auf dem ersten Blick nach Remis aussah. Doch diese Endspiele verzeihen keine noch so kleinen Ungenauigkeiten.

David hat Schwarz und ist am Zug. Er muss entweder den d- oder den c-Bauern im Tausch gegen den a-Bauern bekommen, dann ist das Spiel remis. 46…Te3 nebst 47…Td3 wäre eine Möglichkeit. Leider versucht es David mit der direkten Konfrontation der Bauern und treibt sie dadurch zu weit nach vorn. 46…Te5 47.c4 Te4 48.c5 Td4 49.c6 Kf6 50.c7 Tc4

51.Ta6+ Dieser Zwischenzug bringt die Entscheidung 51…Ke7 52.Tc6 Txc6 53.dxc6 a2 54.c8D a1D Dd7+ Kf8 55.Dd6+

In der Folge lief der weiße König bis nach e8 und der c-Bauer kam zur Umwandlung. 1:0 Schade für David, der bis zum Schluss gekämpft hat.

Bei Jay war das Endspiel deutlicher zu lesen. Kurzer Abholer, wie das zustande kam:

Stellung nach 24…Td8

Bis hierhin hat Jay mit Schwarz schon einiges erreicht. Alle drei Figuren greifen etwas an und sind aktiv aufgestellt. Die weißen Figuren decken höchstens ihre Bauern. 25.e3 wäre hier der normale Zug, aber Weiß möchte jetzt auch mal etwas angreifen –> 25.Lb4 Txe2 26.Kf3 Te6 27.Lc5 Weiß steht jetzt aktiver, liegt dafür aber einen Bauern hinten.

Einige Züge später hatte Jay es geschafft, dem weißen Läufer die Felder zu nehmen. Weiß musste sich entscheiden – den Läufer nach a3 ziehen und einen zweiten Bauern verlieren, oder den Läufer für zwei Bauern geben ?!

Stellung nach 36…b6

Weiß entschied sich für 37.bxc6 bxc5 38.dxc5, doch Jay konnte die Figuren schnell koordinieren und 9 Züge später einen der Bauern zurückgewinnen.

Stellung nach 47…Lb8

Nach 48.Tb3 La7 fällt c6 oder c5, wenig später gab Weiß auf.

4:3 und Carina hatte die Ehre, den Mannschaftssieg zu besiegeln.

Es war eine „indisch geprägte“ Partie, in der sich beide Seiten auflauerten , mit Umgruppierungen die entscheidenden Vorposten einnehmen wollten, darauf wartend, dass jemand zu weit aus der Deckung hervorkommt… Genau das tat Weiß in Zug Nummer 24. Aus dem typischen 0.00 machte Stockfisch nach 24.f4 ein -1,7

Stellung nach 24.f4

10 Züge später zeigt sich auch, warum.

Stellung nach 34.Kh1

Carina hat die e-Linie für sich beansprucht, ist mit einem Turm über die a-Linie eingedrungen, ihr König ist ausreichend geschützt und somit spielt nur eine Seite auf den vollen Punkt. Der Computer entkorkt hier den fabelhaften Zug 34…Lf5!! Carina hat im Prinzip die gleiche Idee und bringt ihren Läufer über e8 auf diese Diagonale.

Geballtes Wissen im Rücken, doch zum Lesen ist keine Zeit. Carina zum Zeitpunkt des Läufermanövers

Anschließend folgte ein Abtausch-Feuerwerk mit Übergang ins Turmendspiel:

Stellung nach 37.De2

37…Lxh5 38.Lxh4 gxh4 39.gxh5 Dxh3+ 40.Sh2 Lxh2 41.Dxh2 Df3+ 42.Dg2+ Dxg2 43.Kxg2 Te3

Stellung nach 43…Te3

Ich erwartete hier den Handshake von Weiß und den Antritt der Heimreise. Bauer mehr, aktiver Turm, was soll da noch passieren ?! Aber die Partie von David hätte mich eines lehren sollen – es ist erst entscheiden, wenn es entschieden oder unentschieden ist.

Stellung nach 47.Txf6

Zugegeben, Carinas Gegner spielt hier sehr trickreich und glaubt weiterhin an eine Rettung. Und hier hätte Carina den h-Bauern vom Brett nehmen sollen. Sie ist schnell genug, um den c-Bauern ebenfalls einzusammeln und den d-Bauern so lange aufzuhalten, bis ihre Freibauern weit genug nach vorne marschiert sind, damit sich der schwarze Turm opfern kann. Es kam sofort 47…Tc3 48.Th6! Kh8 (erzwungen) 49.Txd6 Txc4 50.Tc6 Tc2+ 51.Kh3 c4 52.d6 c4 53.Tc4! mit Remis (nicht 53.d7 Td2 54.Tc8+ Kxh7 55.d8D Txd8 56.Txd8 b3 -+)

Es folgte noch 54…Td2 55.Txb4 Txd7 Tc4 Kxh7 Remis.

Auch wenn vielleicht noch mehr drin war, so haben wir die maximale Ausbeute an Mannschaftspunkten rausgeholt! Das verschafft uns in der Tabelle ein kleines Polster zu den beiden Abstiegsplätzen, doch ironischerweise spielen die Meisteranwärter und Kellerkinder in den letzten drei Runden ihre direkten Duelle aus.

Mit drei schwarzen Freitagen könnte es also noch eng werden. Zum Glück spielen wir sonntags 🙂

Beste Grüße, Captain Happy

Ein Kommentar

  1. Mein Gegner und ich hatten die Schlussstellung auch noch weiter analysiert und tatsächlich auch die gleiche Variante gerechnet. Hier tatsächlich nur die kurze Fassung 35… Sc4 36.Lxc4 dxc4 37. Ta2 b6 38. Ta1 bxa5 39. Txa5 Txa5 40.Txa5 Txa5 41.xa5 c3 42.a6 c2 43. a7 c1=D 44.a8=D
    und hier waren wir uns uneins wer denn nun besser steht. Schwarz hat auf jeden Fall einen gefährlichen Freibauern, steht aber sehr offen mit dem König. Ich bin jedenfalls im Nachhinein eher froh hier Remis zu machen und dadurch nicht noch den 4 1/2 Sieg zu gefährden.

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