Ich überlege noch immer, ob die Marmstorfer verwundert waren. Die erste Mannschaft des TV Fischbek trat mit der großen Anzahl von 4 Ersatzspielern an. Ohne eine große Recherche betrieben zu haben, behaupte ich einmal, dass das ein neuer Rekord gewesen ist.
Besonders erwähnen sollte man den zur Verfügung gestellten Apfelkuchen der Marmstorfer – eine sehr nette Geste. Aber nun zum Schachlichen… hüstel. Ich gebe hier nur meinen sehr subjektiven Eindruck der Partien wieder, ohne die Gesamtpartien gesichtet zu haben, noch eine Analyse getätigt zu haben oder den Computer befragt zu haben.
David Goldmanns Partieaufbau sah besonders aus, mir nicht wirklich vertraut, aber es bewirkte, dass sein extrastarker Gegner gut Bedenkzeit investierte. Bis zu einem gewissen Punkt gefielen mir die taktischen Ausflüge von David. Aber dann ist wohl irgendetwas schiefgelaufen oder hat nicht funktioniert. Denn plötzlich holte der Gegner taktische Gegenmotive in hoher Anzahl heraus und David stand vor Materialverlust. Eine Niederlage, für die sich David aber sicherlich nicht grämen sollte.
An Brett 6 spielte Nikolas Egelriede solide und positionell vernünftig. Sein Gegner versuchte den üblichen b2-b4-b5-Angriff in der Englischen Eröffnung, aber davon ließ sich Nikolas nicht erschrecken oder einschüchtern. Ruhig egalisierte er alles und nach kurzer Zeit kam es zum Remisschluss.
Ähnliches hatte ich in der Partie von Leon Burd erwartet. Nach harmlosen Eröffnungsspiel der Gegnerin konnte Leon problemlos ausgleichen und… Ich habe es nicht gesehen, aber irgendwie ging eine Qualität plus Bauer verlustig und die Marmstorfer erhielten einen weiteren Brettpunkt.
Bei Maximilian Frank ging es schon deutlich asymmetrischer zur Sache. Im Modernen Benoni suchte Max seine Chancen im positionellen Druckspiel, übersah dann taktisch etwas und mit zwei Bauern weniger war da leider nichts mehr zu halten.
Eine Partie für eine stundenlange Analyse-Session war die von Marco Rolf. Ich muss zugeben, dass mir der Aufbau vom Gegner nicht zusagte und jubelte innerlich, als Marco den gegnerischen Vorstoß e4 folgerichtig mit d5xc4! beantwortete. Dann kam noch c4-c5 vom Gegner, was mich Stirnrunzeln ließ. Aus meiner Sicht hatte Marco gutes Spiel oder halt doch nicht, denn im Mittelspiel konnte der Gegner die Oberhand übernehmen und Marco musste eine Figur geben – irgendwie gefühlt schade nach dem Eröffnungsverlauf.
Apropos Eröffnung, Carina Brandt holte einen Abseits-der-Theorie-Aufbau gegen Französisch heraus und der war gut bzw. der Gegner kam damit nicht wirklich zurecht. Mit Öffnung der c-Linie hatte Carina schöne Züge zur Auswahl und eher die Schwierigkeit, sich zu entscheiden, welche Felder sie zuerst besetzen möchte. Später hatte dann Carina auch schlicht eine Figur mehr und keine Probleme, das ohne Risiko zu gewinnen.
Auch die Eröffnungsstruktur des Gegners von Lilian Kneip habe ich als harmlos empfunden. Lilian konnte problemlos ausgleichen oder doch nicht? Vielleicht war der Ausgleichskiller e6-e5 ein Tick zu früh? Irgendwie kam der Gegner zum Spiel am Damenflügel (auch hier die c-Linie). Lilian verfügt über bemerkenswerte Verteidigungsfähigkeiten, aber die reichten hier leider nicht aus. Später hatte Lilian zwei Bauern weniger und konnte die Partie trotz erheblicher Gegenwehr nicht halten.
So blieb nur eine 2,5 zu 5,5 Niederlage in Runde eins.
Vielleicht waren wir auch einfach zu abgelenkt von der sensationellen Bronzemedaille der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade? Wir werden es nie erfahren.
Um die Eingangsfrage zu beantworten: beides – Apfelkuchen zum Mampfen und Pustekuchen zum Ergebnis. Indes ist die Saison noch lange und we´ll be back*.
Denis Schermer
*aus dem Film „Terminator“ – ein Film so aktuell wie nie (die beiden „bösen Buchstaben“: KI).
