Ojeminemineminemine – Landesliga Runde 2

Caissa war heute nicht nur schlecht gelaunt. Caissa ist mit dem falschen Fuß aus dem Bett direkt in einen Hundehaufen mit verstecktem Legostein getreten und hat diesen Frust an uns ausgelassen.

Wir hatten die Königsspringer zu Gast. Die Konfusion begann schon, bevor der erste Stein überhaupt gezogen war. Denis hatte abgesagt, dies ward zunächst vergessen, Chris rückte noch nach. David musste auch absagen, Thomas sprang ein. Der Autorin fiel dann am Samstagabend um 10 auf, dass die Vorbereitung für die falsche Farbe und das falsche Brett gemacht wurde, weil das zweite Update nicht im Langzeitgedächtnis gespeichert worden war. Oje.

Der allererste Paukenschlag, oder sollte ich lieber sagen: das Piepsen einer Smartwatch kam schon kurz nach Beginn des Mannschaftskampfes. Alexander hatte im Eifer der hastigen Ankunft leider das Gerät in der Tasche vergessen. Kurz nachdem er sich eine vorteilhafte Stellung aus der Eröffnung erarbeitet hatte, entschied sich die Uhr, volltönend auf ihre Existenz hinzuweisen. Unser Schiedsrichter Hauke Reddmann musste eingreifen und die Partie wurde verloren gegeben. Ojemine.

Endstellung aus Schneider – Schroeter nach 12. …e6 laut Augenzeugen
Nach Le3 gefolgt von g5 ginge es dem schwarzen König und den schwarzen Figuren deutlich schlechter als den weißen Steinen.

Relativ schnell vorbei war auch Marcos Partie. Hier wählte sein Gegner den Königsindischen Angriff gegen Marcos Französisch, tauschte aber alles schnell herunter und nahm im 20. Zug das angebotene Remis an.

Knops – Rolf, Stellung nach 14.Se3
Der Springer ist auf dem Weg nach g4, um beim Königsangriff mitzuhelfen. Normalerweise würde er jedoch über h2 hüpfen. Marco ergriff die Gelegenheit und tauschte mit 14. …Sd4 15.Sxd4 cxd4 16.Sxd5 Lxd5 17.Lxd5 exd5 18.e6 Ld6 19.exd7 Dxd7 20.Lxd6 Dxd6 alles ab und die Friedenspfeife wurde sofort geraucht.

Bei Chris und Nikolas habe ich nicht mitbekommen, in welcher Reihenfolge sie fertig waren, auf einmal waren die Partien vorbei. Bei Chris wurde die kleine Raupe Nimmersatt nachgespielt.

Goetz – Hartmann, Stellung nach 20.Df3
Schwarz hat nominell einen Bauern mehr, bekommt sich aber nicht einfach entknotet. Der König muss die Beine in die Hand nehmen und macht sich zu Fuß auf den Weg, eine Rochadestellung zu erreichen mit 20 …Kg7. Schwarz gibt die Qualität gegen den Springer, der auf e7 den Bauern schlägt. Dafür frisst die schwarze Dame den c2. Und den a2. Und den d5 zum Nachtisch!

Kurze Zeit später verzog sich der Rauch auch schon.

Goetz – Hartmann, Stellung nach 26 …Tb8
Und so löste es sich wieder auf. Der b-Bauer rennt einfach, ein Turm muss sich gegen ihn und den Springer geben und wir landen in einem 3 vs. 3 Turmendspiel. Zwei Züge später wurde sich dann auch schon auf Remis geeinigt.

Bei Nikolas demonstrierten beide Parteien, dass sie die Basis-Taktikmotive alle im Repertoire haben. So wie diese hier:

Egelriede – Stein, Stellung nach 12. …exd4
Sxd4 ist ein …Abzugsangriff!
Egelriede – Stein, Stellung nach 15.Sxd6
Man kann hier gut …Tad8 machen. Der Te8 kann nicht geschlagen werden wegen einer …Fesselung gegen den Turm auf d1!
Egelriede – Stein, Stellung nach 16.Sa3
Schwarz hat hier das Motiv …Sd4!, was die Deckung des Springers unterbricht. So kann Schwarz zwar kein Material gewinnen, aber den Abtausch der meisten Figuren erzwingen.
Egelriede – Stein, Stellung nach 22. …Da5
Dc4 ist ein …Doppelangriff auf den Läufer auf c3 und das Mattfeld c8. Schade für Nikolas: …Lb4 rettet den Läufer und ermöglicht …Lc8, falls notwendig.

Die Partie endete ebenfalls remis.

Zu diesem Zeitpunkt waren die hinteren vier Bretter nun schon fertig, vorne sah es sehr unklar aus. An Brett 4 war eine sehr scharfe Stellung, Thomas hatte einen Königsangriff, während sein Damenflügel gerade zerbrach. Meine eigene Stellung war besser, aber noch fehleranfällig. Jogi sah sich mit einer Bauernwalze von Industriequalität konfrontiert und bei Lilian hatte ich auch das Gefühl, die Stellung würde immer schwieriger werden.

Während es um mich herum bröckelte, wurden in meiner Partie auch ein paar Fallen aufgestellt.

Wagner – Brandt, Stellung nach 17.Sxd4
Man sollte nicht so gierig sein und den c4 jetzt schon verschlingen, dann ist die Dame gefangen. Man kann aber mit …e5 loslegen, dann hat der Springer e2, c2 oder b3 zur Auswahl. Auf all diesen Feldern ist er jedoch nach 18. …Dxc4 angegriffen, sodass die weiße Dame keine Zeit hat, den d6 zurückzunehmen. Weiß hat zwar Kompensation für den Bauern, muss aber ziemlich präzise und aggressiv spielen, was nicht gelang.

Nach einigen weiteren Abtauschen kamen wir in ein Dame-gegen-2-Türme-Endspiel, in dem sich die weißen Figuren nicht koordniert bekommen haben.

Wagner – Brandt, Stellung nach 31.Lxb6
Ich spielte 31. …Sd5, wonach zwingend a5 kommen muss — dieser Läufer muss auf dieser Diagonale bleiben! Danach würde ich Le7 machen, die weißen Türme tun sich schwer mit der Verdopplung und die Partie geht mit leichtem Vorteil für Schwarz weiter. Stattdessen kam 32.La5, wonach die weiße Stellung sofort zerbricht, weil der schwarze Läufer auf die a7-g1-Diagonale gelangt und die Felder f2 und f3 undeckbar schwach werden.

Nach dieser Sequenz ging die weiße Stellung sehr schnell kaputt, mein Gegner hat mich freundlicherweise auch das hübsche Matt aufs Brett stellen lassen!

Doch Ojeminemine: Bei Jogi schlug Caissa wieder zu und beschwörte Phantome herauf:

de Voogt – Conrad, Stellung nach 26. …Tdg8
Jogi hat eine Figur gegen eine Armee von Bauern, es droht …e4 mit einem Einschlag auf c2 (weswegen Lb5 auch nicht sofort eine Dame gewinnt). Er fand die hübsche Sequenz Da8+ Kd7 Dxg8 Lxg8 Lb5 mit einer Fesselung gegen die Dame. Um dies vorzubereiten, spielte Jogi 27.a4. Nicht bedacht wurde jedoch, dass am Ende dieser Sequenz …Txc2 noch einen ziemlich wichtigen Bauern einsammelt und es danach 4 volle gedeckte Freibauern sind, die gegen den Turm antreten. Im Post-Game-Interview meinte Jogi, dass in all seinen Berechnungen sein Turm schon auf c1 gestanden hätte und er einfach Tc1 hätte spielen sollen!

Die resultierende Stellung ist so kompliziert, dass die Stockfish-Bewertung mit jedem zweiten Zug etwa 4 Wertungspunkte ausschlägt, in unterschiedliche Richtungen. Am Ende wurde Jogi jedoch von den Bauern überrannt und musste sich geschlagen geben. Ojeminemine.

Schon wieder Rückstand und die verbleibenden Partien sahen immer noch zweischneidig aus, bis sich bei Thomas das Blatt endlich zum Guten wenden konnte! Für weite Teile der Partie stand Thomas, man muss es sagen, heftig auf Verlust. Zur Illustration:

Peters – Lock, Stellung nach 31. …Kg7
Schwarz kontrolliert die lange Diagonale, die halboffene h-Linie und wird auch schnell mit Thh8 gefolgt von Ta8 die a-Linie übernehmen. Die weißen Figuren werfen sich schützend um den König, werden aber von den Springern ununterbrochen attackiert. Der Durchbruch …c4 gewinnt quasi die nächsten 15 Züge lang. Das ist schon sehr trostlos.

Thomas‘ Gegner werkelte auch fleißig daran, die Stellung zu verbessern, schnappte sich die a-Linie, bis Thomas sich gezwungen sah, eine Qualität aufzugeben und gleichzeitig den Grottenläufer gegen den anderen Springer zu tauschen. Gut sah es immer noch nicht aus, aber Schwarz mochte sich nicht so recht zum Durchbruch druchringen und zog viel mit seinen Türmen hin und her, bis Thomas endlich Frischluft schnuppern konnte:

Peters – Lock, Stellung nach 42. …Ta1
Ja, objektiv steht Weiß immer noch auf Verlust, aber auf einmal wird es ziemlich kompliziert. Thomas spielte 43.f5!. Stockfish findet zwar die 8-zügige Sequenz an komplizierten einzigen Zügen, die den Vorteil hält, Thomas‘ Gegner aber nicht. Nach 43. …c4 44.Dg3 exf5 45.Txf5 Kf8 46.Tf2 Th5 47.Dxg6 geht auf einmal der schwarze König fürchterlich kaputt.

Und zum Abschluss, das Ojemineminemine: Lilian hatte eine Qualität für eine Backsteinstellung gegeben (und um die Damen aus dem sehr unangenehmen Königsangriff des Gegners abzutauschen) und mauerte so vor sich hin. Ein Beispielausschnitt:

Koller – Kneip, Stellung nach 33.Se2
Alle schwarzen Leichtfiguren sind auf den ersten beiden Reihen zusammengequetscht, der Turm gurkt auf a5 herum, Weiß hat die offene c-Linie. Wir sind im Franzosen und der allmächtige Fisch findet, man sollte seinen schwarzfeldrigen Läufer mit Lxe5 abtauschen und steht dann super! Ich stelle fest, ich vestehe offensichtlich Französisch nicht. (Ja, gut. Die Bewertung kommt daher, dass der Bauer nach Sc6 und Sg6 quasi undeckbar ist und man ihn einfach frisst. Trotzdem.)

(An dieser Stelle schlug Caissa schon wieder zu und ließ mein Chessbase abstürzen, was ich für Diagramme benutzt habe. Welches wir gestern frisch gekauft haben. Gestern!)

Der Tausch fand jedoch nicht statt und der Springer wurde in Sicherheit evakuiert. Später gelangten die Spielenden zur entscheidenden Stellung:

Koller – Kneip, Stellung nach 45.Tf3
Auch hier wurden Zugreihenfolgen vertauscht. Lilian sah, dass Lc1 den Bauern auf b2 gewinnen würde, wollte sich aber nicht mit 46.Sf6+ Kd8 47.Sg8 Txb2 48.Txb2 Lxb2 49.Sxh6 herumschlagen, wonach Schwarz nach … Lxd4 zwar mehr und bessere Bauern hat, aber man echt auf den h-Randbauern aufpassen muss. Lilian versuchte, das gleiche Resultat mit einer Reihenfolgeänderung zu erreichen und fing mit 45. …Tb3 an. Dies tauscht jedoch den falschen Turm ab, nach 46.Txb3 axb3 47.h4! Lc1 ist der b-Bauer gedeckt und es gibt keine Springergabel auf e4. Weiß hat genug Zeit, den eigenen Springer rechtzeitig nach d3 zu verfrachten, um den Läufer einzufangen.

Das Endergebnis also 3,5 – 4,5. Ich möchte es nicht an die Wand malen, aber nach dieser Niederlage müssen tatsächlich langsam ein paar Punkte her, sonst winkt die Stadtliga.

Oje.

Und hier noch ein paar Impressionen von unserem rasenden Reporter Andreas:

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