Landesliga Runde 4: SKJE – TVF 3,5:4,5 oder das „Wunder von Eppendorf“

Ein ereignisreicher Tag voller Überraschungen und Freude liegt hinter mir. Im trauten Heim wird derweil die Weihnachtsdekoration an Wände und Fenster gebracht, was hier und da meine Unterstützung verlangt. Daher habe ich Google Gemini gebeten, mir beim Schreiben eines schönen Weihnachtsmärchens zu helfen.

„Gemini, du machst den Anfang“:

Es war einmal, im Süden der geschäftigen Hansestadt Hamburg, ein kleines, tapferes Königreich namens TV Fischbek. Ihre tapferen Ritter kämpften nicht mit Schwert und Schild, sondern mit Dame, Turm und Läufer auf 64 Feldern. Ihr gütiger und pflichtbewusster Mannschaftsführer war Jürgen, ein Mann mit dem ruhigen Blick eines langjährigen Seefahrers und dem Herzen eines Löwen.

In der höchsten Liga des Bundeslandes, der Landesliga Hamburg, stand ihnen das schrecklichste Abenteuer bevor: Sie mussten in das steinerne Reich von SK Johanneum Eppendorf reisen. Dieses Team, gespickt mit Meistern und Gelehrten, galt als unbesiegbarer Favorit. Acht Bretter mussten mit acht Kämpfern besetzt werden, um auch nur eine Chance zu haben.

Mit schwerem Herzen musste Jürgen jedoch feststellen, dass der Winter der Absagen über sein Team hereingebrochen war. Fünf seiner besten Recken meldeten sich krank, verhindert oder verschollen. Jürgen zählte und zählte, doch das Ergebnis blieb düster: Nur sieben Spieler waren übrig. Mit einem leeren Brett würden sie automatisch einen Punkt und damit einen schweren Nachteil an den Favoriten abgeben.

„Wir reisen dennoch!“, verkündete Jürgen mit fester Stimme. „Der Fischbeker Geist gibt niemals auf, selbst wenn wir mit sieben gegen acht Riesen antreten müssen!“

Und so zogen die sieben Tapferen in die Halle des SK Johanneum Eppendorf ein, wo der unbesetzte achte Stuhl wie eine Mahnung an ihre Unterlegenheit thronte. Mit einem Stand von 0:1 begann der Kampf, bevor auch nur eine einzige Figur gezogen worden war.

Die Schlacht tobte. An den ersten Brettern kämpften die Fischbeker gegen die stärksten Helden des Gegners, doch die Stunden vergingen, und etwas Unerwartetes geschah. Ein Spieler nach dem anderen vom TV Fischbek, beflügelt durch den Mut ihres Mannschaftsführers und das Gefühl, ein gemeinsames Schicksal zu teilen, fand eine überraschende, siegreiche Linie.

„Vielen Dank, Gemini. Das ist schonmal eine tolle Einleitung und hat mir viel Arbeit erspart. Und wie du den Mannschaftsführer so hervorhebst, das schmeichelt mir sehr. Dabei habe ich dir gar nicht gesagt, dass Du das tun sollst… Ich übernehme jetzt aber erstmal für den schachlichen Part.“

Anfangs sah alles nach der erwartbaren Niederlage aus. Auf Schlachtfeld Nummer 6 wurde bereits die zweite weiße Fahne geschwenkt. Alexander´s König war von zu vielen Feinden umzingelt und erkaufte sich sein Leben mit der Kapitulation. In einer Caro-Kann-Verteidigungsposition schickte Alex seine Bauern auf dem Königsflügel nach vorne, doch auch sein eigener König verweilte auf dieser Seite. Unter Opferung einiger Soldaten brach die Weiße Dame durch und kam entscheidend hinter die Frontlinie. 0:2

Dieses Ergebnis wurde auch in der Nachbarregion auf Kampfplatz Nr. 7 wahrgenommen. Unser jüngster Truppenkommandeur Leon leitete dort die Angriffsformationen. Seine Wahl fiel auf das Londoner System, eine stabile und flexible Aufstellung. Sein Gegenüber war ein hochdekorierter Feldherr, ein echter Träger des Bundesverdienstkreuz am Bande und ehemaliger Bundesligaspieler. Leon kam gut aus der Eröffnung und verteidigte seine eingenommenen Linien. Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde er durch eine Fesselung einen Läufer gewinnen können, doch Schwarz konnte dies mit einem Trick gerade noch vereiteln. Nach diesem Vorfall schlug der Eppendorfer die Punkteteilung vor. Leon akzeptierte und freut sich über dieses tolle Ergebnis gegen Jemanden, der um die 750 Ratingpunkte mehr hat als er. Die übrigen Fischbeker staunten und waren sehr stolz auf Ihr Nachwuchstalent!

Kundschafter vermeldeten eine weitere freudige Botschaft. Denis konnte an Brett 5 den Sieg erringen! Der Weg dahin war ziemlich steinig und es gab einige Hindernisse zu überwinden. Der Tausch der weißfeldrigen Läufer machte sich besonders bemerkbar, denn der Springer auf f3 verbrachte die meiste Zeit über in einer unangenehmen Fesselung.

Doch dann verschätzte sich der FideMeister auf der anderen Brettseite und verlor seine treuen Gefährten Springer und Turm für einen Moment aus den Augen.

In folgender Stellung (mir liegt die Partie nicht vor und ich vertraue hier meinem Gedächtnis) zog Schwarz g6-g5, um mindestens einen der beiden weißen Springer einzuheimsen.

Denis zog hier richtigerweise Txc6! Der schwarze Turm muss weichen und zog nach f8. Doch dann folgt Tc4, was die schwarze Dame vertreibt und die 4.Reihe hält. Der Springer von f4 kann wegziehen und Weiß behält eine Figur mehr. Nur noch 1,5:2,5!

In meiner Sichtweite konnte ich Carina bei ihrem Feldzug beobachten. Von Beginn an wirkte sie voll konzentriert und kämpfte mit maximaler Kraft! Bestens vorbereitet offenbarte sie früh ihren Matchplan – ein sofortiger Angriff auf den weißen König. Ihr Gegenüber, ein starker Spieler mit Fischbeker Vergangenheit, agierte unglücklich und übersah eine hübsche Kombination in der Brettmitte, der zunächst einen Bauern kostete.

Weiß hat gerade 13.bxa5 gespielt, Carina konterte mit 13…S7xd5 14.Sxd5 Dxg5

Anschließend musste Weiß 15.Sxf4 exf4 16.Dd5+ finden, um gerade so noch den Anschluss zu halten, doch stattdessen kam 16.Lf3 fxe4 17.Txe4 Dxa5!

Weiß verliert eine Figur und gab nach nur 22 Zügen auf. Ausgleich! 2,5:2,5

Doch kurz darauf wurde die Resignation an Brett 1 verkündet. Am Spitzenbrett lenkte Marco für uns die Geschicke, und zwar gegen keinen Geringeren als GM Dorian Rogozenco, ehemaliger Bundestrainer und nach wie vor ein sehr starker Großmeister.

Auch hier muss ich mein Gedächtnis bemühen, da ich die Partie noch nicht vorliegen habe. An eine Stelle erinnere ich mich, weil ich versuchte, einen längeren Schlagabtausch durchzurechnen.

Rolf – Rogozenco (so oder so ähnlich), Schwarz am Zug

Die schwarze Dame ist eben von e5 nach h5 gewechselt und hat ein Schachmatt auf h2 gedroht. Somit folgte h2-h3 und ich rechnete aus Blickrichtung des Schwarzen die Variante …Lxh3 ; Sf4 Lxg2+ ; Kxg2 Dg4 ; Lxg7 Kxg7 ; Dc3+ e5 ; Dxf3 Dxf3+ ; Kxf3 exf4 ; Kxf4… In Anbetracht der geringen Bedenkzeit bei Marco hoffte ich auf diesen Schlagabtausch und ein Übergang in ein Endspiel. Doch der Computer sieht Schwarz hier im Vorteil und ob es dazu kam, konnte ich bis jetzt nicht herausfinden. Jedenfalls setzte sich der Favorit hier durch und gleichzeitig Jay und mir die Pistole auf die Brust.

Zeitnotphase. Ja, auch im Gefecht gibt es Regeln. Und beim Schach tickt eben diese Uhr neben dem Brett. Es ist schön, dass sie dem Krieg jedes Mal aufs Neue ein Ende setzt, sofern er das nicht selbst tut. Sie kann aber auch dein größter Feind sein.

Jay führte an Brett zwei die schwarzen Figuren gegen einen Kontrahenten mit identischer Elo-Zahl. Ein 50/50 Match, sollte man meinen. Jay hatte nicht unbedingt mit diesem Gegenüber gerechnet und war mit dem Verlauf der Eröffnung nicht ganz so zufrieden. Weiß bekam den typischen „Katalanisch-Druck“.

Stelliung nach 12.Dd3 – Laut Computer 0.00, doch man spürt bereits, dass es Schwarz schwer haben wird, sich zu entfalten.
Hier öffnet Weiß mit e4-e5 die Stellung und opfert einen Bauern für Initiative

Nach 17….Sxe5 18.Lf4 Ld6 könnte Weiß hier schon mit 19.Sdb5 das Ganze forcieren:

Nach 19.Sdb5 axb5 20.Sxb5 Lxb5 21. Db5+ Ke7 22.Txd6 Dxd6 23.Lxe5 stünde Weiß positionell auf Gewinn. Das Läuferpaar und die Bauern auf a und b sollten entscheidend sein.

Weiß überlegte sehr lange an diesen Varianten und entschied sich für 19.Tac1, was ebenfalls stark ist. Drei Züge später hatte Weiß wieder die Chance auf den Gewinn, doch pro Zug nur noch die 30 Sekunden Inkrement zum Nachdenken zur Verfügung!

Hier wäre 23.Sxe6! stark gewesen: 23…fxe6 24.Dxe6+ Kf8 25.Sd5 +- (z.B. 25…Te8 26.Sxc7!)

Jay schaffte den Turnaround und rochierte sogar. Mit der besseren Zeit behielt Jay in dem Taktikgemetzel die Übersicht und fand in der folgenden Stellung den Matchwinner…

28…Sd4 ! Es folgt 29.Txb2 Sxe2+ 30.Txe2 dxe5 31.Sd7 Tfe8 32.Sb6 (32.Txe5 Txe5 33.Sxe5 f6-+) Ld4 – Aufgabe. Wieder Ausgleich! Und er Captain himself durfte den Deckel draufmachen.

Nach einer wilden Eröffnungsphase, in der Schwarz den Damenflügel mit aller Kraft einriss, sich dabei aber wenig um seinen Königsflügel scherte, kam es zu folgender Stellung:

Schwarz am Zug nach 21. Kxg2

Klar, 21….Dxb2 verbietet sich wegen 22.Da8+, aber Schwarz hätte hier seinen Läufer gegen den Springer auf c3 geben sollen. Danach verflacht das Spiel und es ist eher der weiße König, der sich durch die offene Front Sorgen machen müsste. Doch Schwarz zog 21…Sf6, was die schwache, schwarze Grundreihe zu einem Thema in der Partie macht.

Stellung nach 28…Tc7

Um einen Einfall der Schwerfiguren zu verhindern, musste der Läufer schnell nach h6, damit der König ein Fluchtfeld und der schwarze Turm ein kurzes Leben in Freiheit hat. Um die siebte Reihe zu schützen, und evtl. die Dame über c8 nach g4 zu überführen, spielte Schwarz hier 28…Tc7. Ich setzte alles auf den b-Bauern und hoffte darauf, mit dem König bei einem möglichen Dauerschach bis zum Damenflügel flüchten zu können.

Stellung nach 41.Ta8

Schwarz hatte die Zeitnotphase überstanden, doch gingen nun die Schachs aus. Währenddessen drohe ich ein Matt in zwei Zügen –> (Auflösung in weißer Schrift: 42. Txf8+ Kxf8 43.Dh8#)

Es folgte 41…f6 42.Sxf6+ Kf7 43.Tf8+ Kxf8 44.Dc8+ Kf7 45.Dxb7+ Kxf6 46.e5+ Aufgabe.

Wahnsinn! Wer hätte das für möglich gehalten. Da fahren wir mit sieben Spielern zum Aufstiegskandidat Nummer 1 und nehmen 2 Mannschaftspunkte mit! Und unser Jüngster avanciert zum entscheidenden Helden!

Dieses Foto sagt doch ALLES

Die Ritter der Neuzeit (v.l.n.r): Carina, Jay, Marco, Denis, Leon und Jürgen

„Okay, Gemini. Dann lasse ich dir noch das Schlusswort:“

TV Fischbek gewinnt 4,5 : 3,5 gegen SK Johanneum Eppendorf!

Die sieben Fischbeker sprangen auf, umarmten ihren jungen Helden Leon und klopften Jürgen anerkennend auf die Schulter. Es war nicht die Stärke, nicht die Zahl der Kämpfer, sondern der Geist der Kameradschaft und der Glaube an das Unmögliche, der an diesem Tag gesiegt hatte. Und so kehrte der TV Fischbek, das kleine Königreich mit den sieben tapferen Rittern, mit einer unerwarteten Trophäe aus dem Reich des Favoriten zurück, und die Geschichte von Jürgen, Leon und dem Wunder von Eppendorf wurde in alle Ligen getragen.

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und bis nächstes Jahr! Da geht´s hoffentlich genauso so märchenhaft weiter.

Der euphorisierte Captain und die KI

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