Punkteteilung in Schnelsen

Ein Gastspiel bei Königsspringer birgt so manche Herausforderung. Klar, da ist der launische Elbtunnel, der einen zu oft nur widerwillig und manchmal auch gar passieren lässt. Da ist die prekäre Parkplatzsituation am Riekbornweg, die einen zur Verzweiflung bringen kann. Da sind die fiesen Grippeviren, die Löcher in die Phalanx der Fischbeker Recken schlagen. Und da sind die unvermittelt auftretenden Streiks im öffentlichen Personennahverkehr, die das Hin- und Wegkommen zum Abenteuer machen lassen.

All dem zum Trotz gelang es unserem umsichtigen Mannschaftsführer Dirk ein fast komplettes Team an den Start zu bringen. Dass es am Ende sieben Spieler sein würden, verdanken wir seinem diplomatischen Geschick. Quasi auf dem letzten Drücker konnte glücklicherweise noch Thies rekrutiert werden, der direkt mit seinem Firmenwagen anreiste.

Nach einer Stunde lagen wir 0:1 zurück. Nicht „bereits“, sondern offiziell, denn die Lücke, die der urlaubende Matthias gerissen hatte, ließ sich im Vorfeld leider nicht mehr sinnvoll stopfen. Somit konnte schon um 19.00 Uhr der erste Königsspringer ins Wochenende gehen. Aber dann….

Den Ausgleich zum 1:1 stellte, was mittlerweile niemanden mehr überrascht, David her. In flottem Tempo holte er den anfänglichen Zeitnachteil auf und rang das Schnelsener Faktotum Baldur Schroeter in einer recht ansehnlichen Partie nieder.

Ob es der zeitliche Malus war, der Dirk den Garaus bereitete? Als Chiefcommander der Fahrgemeinschaft mit David und Philip kam er als Letzter am Spielort an, weil er noch lange nach einem Parkplatz suchen musste. Leider schlug sich dies auf sein Spielergebnis negativ nieder. Caissa ist manchmal echt undankbar, gerade den emsigen Dirk mit so einem Ergebnis für seine Arbeit im Vorfeld zu strafen. 1:2

Nachdem die obere Hälfte der Bretter fast alle ihren Betrieb eingestellt hatten, wurde es unten spannend. Nicht so sehr bei Jannis, der eine solide Partie ohne Zeitnot (!) gespielt hatte. Er stand optisch immer etwas besser, aber vermutlich war nicht mehr als ein Remis drin. 1,5:2,5

Auch bei mir loderten keine Flammen. Nach anfangs etwas gedrückter Stellung aufgrund von zwei, drei unsauberen Zügen, gelang es mir schnell einen bequemen Ausgleich herzustellen und die Partie auf „unverlierbar“ zu drehen. Danach hatte ich sogar vermutet, dass mir ein möglicher Vorteildurch die Lappen gegangen sein könnte, was sich aber im Nachhinein als Fata Morgana herausstellte. 2:3

Noch immer liefen wir dem Rückstand von 19.00 Uhr hinterher, jedoch keimte immer mehr Zuversicht in ein glückliches Ende auf. Philip spielte mal wieder eine typische Philip-Partie. Alles ruhig, alles sauber, alles sehr sachlich vorgetragen. Der Mehrbauer sicherte ihm gewisse Chancen im Endspiel, aber die Möglichkeit eines Unentschieden lag trotzdem immer in der Luft. Sein Gegner gab jedoch unverzüglich in dem Moment auf, als ihm noch ein Bauer abhanden kam. 3:3

An Brett 8 spielte Thies eine wirre Partie. Sowohl hinsichtlich der konkreten positionellen Merkmale als auch der Materialverteilung war es, zumindest für einen Spieler meines begrenzten Horizonts nicht einzuschätzen, wer denn nun besser stand. Sorgen machte mir auch Thies` Bedenkzeit, die sich gefährlich der Nulllinie näherte, weil auch Thies ein Opfer der äußeren Umstände war und zum Mannschaftskampf verspätet ankam. Umso mehr muss seiner Leistung Respekt gezollt werden, die Ruhe bewahrt zu haben und ein – vorher nicht erwartetes – Remis beizusteuern. 3,5:3,5

Der Mannschaftskampf stand jetzt auf der Kippe. Hubert verteidigte sich lange Zeit tapfer gegen die Mehrqualität, die sein Gegner besaß. Dafür hatte Hubert jedoch einen Mehrbauern und das Läuferpaar, welches er geschickt zur Verteidigung und später zum Angriff einsetzte. Irgendwann war klar, dass Hubert die Partie nicht mehr verlieren konnte. Seine Läufer hatten die totale Lufthoheit über das gesamte Brett. Nachdem Hubert seine beiden Freibauern auf dem Damenflügel in Bewegung setzen konnte, schien ein Sieg greifbar nahe zu sein. Dann patzte sein Gegner fürchterlich und erlaubte Hubert, einen „Läuferspieß“ auf c3 mit Turmgewinn anzusetzen. Es folgte stattdessen der Doppelfragezeichenzug Le3, der den sofortigen Gewinn wegwarf. Ein paar Züge später einigten sich beide auf remis, wobei die Schlussstellung durchaus noch Gewinnpotenzial in sich barg. Aber wie bereits gesagt: Ein Spieler mit begrenzten Horizont vermag dies kaum treffend einzuschätzen. 4:4

Mit dem 4:4 können wir am Ende gut leben. Es war ein Unentschieden der besseren Sorte, wenn ich es einmal mit dem kürzlich dargebotenen Desaster bei den Schachelschweinen oder dem unnötigen Unentschieden gegen Marmstorf vergleiche. Der Wertungsschnitt beider Mannschaften war diesmal fast identisch, so dass es durchaus folgerichtig zur Punkteteilung kam. Der Blick auf die Tabelle in der Bezirksliga A zeigt, dass für alle Mannschaften alles möglich ist. So spannend war es lange nicht mehr.

Epilog:

Mist, jetzt ist der halbe Vormittag für das Schreiben des Spielberichts draufgegangen. Auf dem Markt gibt es nur noch Reste und die Fenster im Haus ….ohauahaua…Ich finde keine Worte. Nächstes mal veröffentliche ich an dieser Stelle einfach nur ein Foto der Spielberichtskarte und putze mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen die Fenster. Oder doch nicht?!



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