Der letzte Mannschaftskampf der ersten Mannschaft war Anfang Dezember im letzten Jahr und die geneigten Leser können sich an den heroischen Auftritt erinnern. In voller Rüstung mit Schild und Knappe gegen einen der Liga-Favoriten gewonnen, der Schwung hat uns durch den Advent getragen und der Lebkuchen schmeckte gleich doppelt so gut.
Diesmal der Plan: Den Schwung mitnehmen, gewinnen und danach stilvoll essen gehen. Doch davor musste der Sohn den Vater ersetzen. Christoph Serrer setzte aus und David sprang ein, der Drops ist gelutscht – ein problemloser Zug für den Mannschaftsführer Jürgen de Voogt.
Dass wir am späten Nachmittag noch essen gehen wollten, hinderte David Serrer nicht, sich morgens ausgiebig mit dem Frühstück zu beschäftigen. Er brauchte die verlorenen 15 Minuten seiner Bedenkzeit nicht, weil die Partie schnell Remis endete. Ungeklärte Frage: Steht die weiße Dame nun gut oder schlecht auf c1? Keine Ahnung und keine Antwort, aber wenn man in ein asiatisches Restaurant geht, erhält man standardmäßig zwei Holzstäbchen, die zur Benutzung vorgesehen sind.
Carina Brandt hatte anscheinend keinen großen Appetit und legte eine lange Partie an. Nach meinem Empfinden mit einem leichten Betonaufbau und eher passiv orientiert, aber es funktionierte supi. Viel später hatte Carina den Gegner positionell überspielt und sammelte Bauern ein (quasi „all you can eat“). Zum Sieg reichte es leider nicht – ich vermute, weil der Gegner Dauerschach geben konnte – sehr schade.
Im Gegensatz dazu spielte Alexander Schneider auf vollen Angriff. Ich mag mich irren, aber Dg4 scheint so ein Standardzug (Ich will deinen Bauern g7 (Keks) fressen.) dafür zu sein. Leider funktionierte das in Gänze nicht und am Ende war es der Gegner, der den Angriff führte. Alexander konnte seinen Turm auf a2 nicht wirklich ins Spiel bringen. Also, dass er sich durch die gegnerischen Bauern futtern konnte und er konnte auch nicht seinen König verteidigen.
Auch nicht gerade friedlich war Thomas Peters gelaunt. Es war noch ein Treffen mit der Familie geplant und er suchte die Entscheidung mit Asymmetrie der Eröffnung und Mittelspiel. Was genau dann passierte, habe ich nicht mitbekommen. Thomas verlor die Partie. Ich wünsche ihm, dass wenigstens sein Essen mit der Familie hervorragend war.
So eine Sushi-Platte hat schon ein tolles ästhetisches Aussehen. Die Japaner haben es echt drauf. Für Schachspieler mögen andere Dinge schön sein: so beispielsweise ein fetter weißer Turm auf c5. Das sah einfach gut aus in der Stellung von Jay Kneip und ich sah Weiß stellungsmäßig im Vorteil. Jay wollte sich das Essen wahrlich verdienen, denn es musste Schwerst-Rechenarbeit geleistet werden. Eine unglaublich komplizierte Stellung mit vielen unterschiedlichen Erwägungen und dann auch noch die gleiche Variante mit einer kleinen Zugumstellung berechnen, um ein anderes Bewertungsergebnis zu erhalten. Jay musste sich entscheiden, erst den Damenschwenk zur h-Linie oder erst auf g6 tauschen, Springer nach f2 oder doch erst einmal stehenlassen, usw. usw. Jay musste da durch und fand eigene Wege. Ich habe schon Schwierigkeiten, mich zu entscheiden, ob ich zuerst den Avocado- oder den Lachs-Maki essen soll. Ach, zurück zur Partie. Jay stand nicht gut, war aber in der Variantenauswahl besser als der Gegner. Die Partie dauerte an und sukzessive konnte Jay die Stellung verbessern und ins Remis retten. Der Gegner dürfte ob der ausgelassenen Chancen heute keinen Appetit mehr haben.
Die Modellpartie des Tages überließen wir Jürgen de Voogt. Den Gegner im Sizilianer zum zweifelhaften f2-f3 veranlassen – check! Den Sb3 mittels a7-a5-a4 anknabbern – check! Die Taktik-Idee Sf6-g4 rausholen, wonach der Lg7 sich bis a1 durchfressen kann – check! Den weißen Läufer auf h6 mit den Bauern f6 und g5 einsperren (und irgendwann abholen) – check!
Im Mittelspiel hatte Jürgen nur einen Bauern mehr, aber der Gegner eine absolute Stellungsruine. Damit gewann Jürgen als Einziger die Partie und hatte wahrlich sein Abendessen verdient – check!
Ich hatte Marco Rolf von seiner Eröffnungswahl abgeraten. Gut, dass er nicht auf mich hört. Im angehenden Mittelspiel konnte Marco sehr mit seiner Stellung zufrieden sein. Laut Computer stand Marco an einer Stelle deutlich auf Gewinn, aber die Früchte hängen hoch und er verrechnete sich irgendwie. Später verlor er vermutlich wegen der schwierigen Materialverteilung noch einmal den Faden. Sehr schade, wirklich. Da wäre sonst mit dem Essen auch ein Cocktail drin gewesen.
Insgesamt also eine Niederlage, aber das spätere Essen holte alles wieder heraus. Wenn man denn weiß, wie man mit Stäbchen isst…
Denis Schermer

*Richtig, die Überschrift hat keine innere Logik und sagt nichts aus über Schach und das Ligaspiel. Aber man muss die Leser auch einmal foppen und fordern. „FBK 1 – Weiße Dame 3:5“ erschien mir heute zu banal und das soll auch nicht in Suchmaschinen zu finden sein.
