„Schwarzer Freitag ist die Bezeichnung eines Freitags, der wegen eines an diesem Tag vorgefallenen Unglücks als besonders denkwürdig erachtet wird“
Wikipedia widmet dem „Schwarzen Freitag“ tatsächlich einen eigenen Artikel und listet eine Reihe von tragischen Ereignissen auf, wobei der Börsencrash vom 25. Oktober 1929 hier wohl die prominenteste Stellung einnehmen dürfte. Weit weniger in das kollektive Gedächtnis gebrannt hat sich der 16. Oktober 2012. Nicht nur, weil es sich auch gar nicht um einen Freitag, sondern um einen Dienstag handelte. Und er wurde auch nicht überall auf der Welt als Unglückstag wahrgenommen. So dürfte in Schwedens Fußballerkneipen vermutlich heute noch ein fröhliches „Skal“ zu vernehmen sein, wenn man einfach nur die Zahlen/Zeichenkombination „4:4“ erwähnt. In Deutschland ist dagegen bei eingefleischten Fans der Fußball-Nationalmannschaft eher mit einem ungeschönten „Verpiss` dich“ zu rechnen. Beim Rest der Welt hat sich am 16. Oktober 2012 nichts ins Gedächtnis gebrannt, wenn man von der Agenturnachricht aus China („Frühmenschen sollen Pandas verspeist haben“ – diese Drecksneanderthaler grrrrr….) einmal absieht.
Aber warum erwähne ich an dieser Stelle das 4:4? Nun, wer damals das Spiel live gesehen hat, wird etwaige Parallelen unseres gestrigen Mannschaftskampfs gegen die Schachelschweine nicht bestreiten können. Seinerzeit verdaddelten unsere Fußballer um Klose, Neuer und Westermann eine 4:0-Führung zum letztlich blamablen 4:4. Mit einer ähnlichen Glanzleistung warteten wir gestern in Barmbek auf.
Im Gegensatz zu unserem Team, konnten die Schachelschweine nur eine stark ersatzgeschwächte Mannschaft an den Start bringen. Trotzdem gingen die Schachelschweine 1:0 in Führung. Ok, das entspricht zwar nicht ganz der Realität, aber Hubert büßte bereits in einem sehr frühen Stadium des Spiels einen Offizier ein. Mit Zählbarem an Brett 6 war objektiv nicht mehr zu rechnen, aber Hubert stellte sich in den Dienst der Mannschaft und wollte sich so früh noch nicht geschlagen geben und verteidigte sich hartnäckig.
Kurz und knackig machte es einer unserer beiden „Davids“. David Goldmann kam als Letzter und ging nach neunzig Minuten als Erster. Die Führung oder – mit Huberts Partie im Hinterkopf – der Ausgleich. Ganz wie man will.
Zu diesem Zeitpunkt sah die Welt aus Fischbeker Sicht noch rosarot aus. An fast allen Brettern standen wir aussichtsreich, hatten die bessere Zeit und irgendwie das Gefühl, dass heute vielleicht sogar ein Kantersieg drin sein könnte. Ein 7:1 lag in der Luft. Zumindest hatte ich dieses Gefühl, konnte es aber nicht mit schachlicher Expertise unterlegen. Anstatt meinen Läufer auf d6 einzubetonieren und damit die schwarze Stellung handlungsunfähig zu machen, versuchte ich den zweiten Schritt vor dem ersten zumachen und zog meinen Bauern erstmal auf h4. Das lakonische …Sxh4 demonstrierte dann ganz die Löchrigkeit meiner Gedankengänge. In der Folge versuchte ich zwar noch dies und das, aber meine Gegnerin spielte ganz nüchtern die Partie herunter und gewann verdient.
Ok, meine Nicht-Leistung war zwar ärgerlich, aber es sah um mich herum zum Glück noch richtig gut aus. Völlig ungewohnt verfügte Jannis an Brett 4 über deutlich mehr Bedenkzeit als seine Gegnerin. Und nicht nur das: Er verfügte auch über einen Mehrbauern und eine hervorragende Stellung. Jannis` schön herausgespielter Sieg brachte uns mit 2:1 in Führung (Hubert spielte noch!).
Was der eine David kann, das kann der andere David (Serrer) auch. Ruhig und solide verdichtete er einen kleinen Vorteil nach dem anderen. 3:1-Führung für Fischbek!
Ein Brett höher gab endlich auch Chris` Gegner die hoffnungslos verlorene Partie auf. Zwei Figuren und zwei Bauern mehr – das kann man nun wirklich nicht mehr vergeigen. 4:1 für uns.
Ab jetzt….Drama! Hubert stelle erwartungsgemäß seinen Widerstand ein. So weit, so gut. Es spielten jetzt nur noch die beiden Helden vom ersten Mannschaftskampf – Philip und Matthias.
Philip spielte mal wieder eine typische Philip-Partie. Ruhig und sachlich baute er sich auf, erzeugte dabei immer etwas Druck auf die gegnerische Stellung, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Es gelang ihm, auf dem Damenflügel einen Mehrbauern zu erzeugen, während sein Gegner verzweifelte Anstrengungen unternahm, auf dem Königsflügel etwas zu ernten. Mit der deutlich besseren Zeit, dem Material- und Stellungsvorteil sollte es für den nächsten vollen Punkt für uns reichen. Aber Philip übertrieb es wohl mit der Prophylaxe. Als er einen Qualitätsverlust hinnehmen musste, war – trotz der Kompensation von zwei Bauern – die innere Widerstandskraft erlahmt. Man steht gut, man steht besser, man steht auf Gewinn….und verliert.
Matthias und sein Gegner litten lange an einer „Figurentauschallergie“. Die Stellung war lange Zeit ziemlich verrammelt und hätte Matthias im Mittelspiel seinen Bauern von d4 nach d5 gezogen, wäre wohl beiderseits nichts mehr gegangen. Bei voller Kapelle wäre die Partie in einem remis erstickt. Aber Matthias wollte natürlich mehr als einen halben Punkt. In Anbetracht seiner sehr guten Form war es durchaus berechtigt, auf Sieg zu spielen. Es kam, wie es kommen musste. Zeitnot, Flüchtigkeitsfehler, noch mehr Flüchtigkeitsfehler und dann der Bock. Irgendwann zeichnete sich für mich ab, wie die Partie zu Ende gehen könnte (ja, ich hab` gut reden – s.o.) Eine dramatische Partie und ein dramatischer Mannschaftskampf gingen zu Ende. Endergebnis 4:4. Oder 6:2, wenn man es mit den schwarzen Steinen hält.
Auf dem Heimweg stellte sich mir noch kurz die Frage, was ich schlechter beherrsche: Schachspielen oder Ausparken? Zum Glück mussten nur Chris und David das Elend mit anschauen. Ob beide in ihrem früheren Leben als Parkplatzeinweiser gearbeitet haben? Nach endlosem Kurbeln ging es dann endlich Richtung Neugraben. Dafür wurden beide auf der Rückfahrt mit diesem musikalischen Kleinod belohnt. Mir war einfach danach.
Funny van Dannen – Menschenverachtende Untergrundmusik
In Neugraben ging`s noch schnell zu McDonald`s. Einen Pandaburger TS und einen Mc-R.I.P-off auf die Hand und dann schnurstracks ab in die Heia.
